Ein Composing - Das Zusammensetzen von Bildern an einem Computer. Manchmal ist es nicht die Technik, die ein Composing zu dem macht was es ist, sondern der Weg dahin. Ein Composing entsteht nicht nur an einem Computer, sondern in erster Linie entsteht es im Kopf. Wie dieser Weg von der Idee bis zur Umsetzung bei mir aussah, lest ihr hier.

„Erstellen Sie ein Composing zum Thema Märchen!“ Mit diesen Worten stellte meine Professorin meinem Kurs und mir die Aufgabe einer Prüfungsvorleistung. Die einzige Voraussetzung war, dass das Composing aus mindestens drei Bildern bestehen sollte und eines davon selbst fotografiert werden musste. Aufgrund meiner bereits gesammelten Erfahrung in der Fotografie sowie in Photoshop sah ich in der Umsetzung dieser Aufgabe zunächst kein größeres Problem. 

Ideen blieben aus
Obwohl ich ein paar Tage darüber nachgedacht habe, kam ich keinen Schritt weiter. In einem Gebiet Erfahrung zu haben und routiniert zu sein, bringt nichts, wenn einem keine Idee kommt. Nachdem ich mir bei Google ein paar andere Composings zum Thema Märchen angeschaut habe, war ich ein wenig inspiriert und aufgrund mancher Suchergebnisse auch etwas verstört. Aber egal. Ich wusste was ich vor hatte. Das war alles was zählte. 

Das Bild in meinem Kopf war simpel, aber dennoch nicht zu verwechseln. Ein geflochtener blonder Zopf, der von oben in das Bild kommt und vor einer steinernen Mauer hängt. Von unten greift ein edler, lederner Handschuhe danach. Das es sich bei dieser Bildidee um Rapunzel handelt, muss ich wohl nicht weiter erläutern. Nun musste ich nur noch das Haarmodel finden, welches mir den Zopf zur Verfügung stellt. Nach einigem Hin und Her war die Rapunzel-Idee wieder über Board geworfen, da sich herausstellt, dass ich niemanden kannte, dessen Haare meinen Vorstellungen entspricht. 

Kommt Model, kommt Rat
So entschied ich mich die ganze Sache von einer anderen Seite aus anzugehen. Ich wusste, dass eine Freundin bereit war, mir als Model auszuhelfen, da wir schon öfter zusammen fotografiert haben und sie also mit meiner Kamera vertraut war. Ich dachte mir, wenn das Model erst mal feststeht, ist es vielleicht leichter eine Idee zu finden als erst eine Idee zu haben und dann zu merken, dass ich kein Model habe. Nun ging alles ganz schnell, ich rief sie an, sie sagte zu und gab mir auch direkt den entscheidenden Anstoß. Sie wollte als Rotkäppchen fotografiert werden. Nun fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Letztes Jahr hat sich eine andere Bekannte an Karneval als Rotkäppchen verkleidet. Auch hier lief alles reibungslos. Ich rief an, sie sagte, ich könne mir das Kostüm holen und das tat ich auch sofort. 

Wir sollten zwar nur eines der drei Bilder des Composings selbst erstellen, aber ich entschied mich Rotkäppchen und einen Wald selbst zu fotografieren. So fiel es mir später leichter, Rotkäppchen realistisch in eine nächtliche Waldszene zu integrieren, da ich so die volle Kontrolle über den Bildlook hatte. Zuerst fuhr ich in den Wald und fotografierte einen Waldweg, welchen ich in der Vergangenheit schon oft fotografiert hatte. Zur Orientierung wie groß das Model in Photoshop sein musste, stellte ich meine Freundin auf den Waldweg, machte ein Testfoto um die Größe festzuhalten und danach das finale Foto. Das Model wurde in dem Rotkäppchen-Kostüm und einer kleinen Lampe vor einem weißen Hintergrund fotografiert um mir später das Freistellen in Photoshop zu erleichtern. 

Die Umsetzung am Rechner
Mit den fertigen Fotos auf dem Rechner konnte nun die Arbeit in Photoshop beginnen. Das erste Foto war der Hintergrund bzw. der Waldweg. Ein paar Anpassungen mit dem Camera-Raw-Filter und eine Blautönung, um dem ganzen einen kühlen, nächtlichen Look zu geben, sollten vorerst genügen. Rotkäppchen wurde mit dem Schnellauswahlwerkzeug freigestellt und mit dem Kanten verbessern Tool ausgebessert. Nun wurden etliche Farbkorrektur-Ebenen auf Rotkäppchen angewandt, um sie realistisch in den Wald einzufügen. Außerdem wurde noch das Bildrauschen auf Rotkäppchen verstärkt, so dass es genauso stark ist wie auf dem Foto des Waldes. Danach wurden kleinere Anpassungen des Lichtes vorgenommen um die Lampe von Rotkäppchen scheinen zu lassen und den Blick des Betrachters direkt auf Rotkäppchen zu lenken. 

Im Prinzip wäre ich nun mit dem Composing fertig gewesen, hätten wir nicht die Vorgabe gehabt , dass es mindestens aus drei Bilder bestehen muss. Aus Faulheit lud ich mir ein Bild eines schwarzen Wolfes herunter, schnitt ihn ebenfalls mit dem Schnellauswahlwerkzeug aus und platzierte ihn hinter einem Baum. Um das ganze Bild einheitlicher wirken zu lassen, wendete ich mit der Hilfe von Nik Collection, ein Plug-In für Photoshop, einen Filter auf das gesamte Bild an, welcher Farbanpassungen und eine leichte Körnung hinzufügte. 

Der Weg ist das Ziel
Das Composing war nun endgültig fertig und obwohl ich aus technischer Sicht nicht viel für mich mitnehmen konnte, da das meiste relativ simple Aufgaben waren, war die Ideenfindung sehr lehrreich. Manchmal ist es nicht wichtig erst die Idee zu haben und dann mit der Umsetzung zu beginnen, wenn das eine am anderen scheitert. Die erste Idee ist auch nicht immer die beste. Manchmal ergeben sich Ideen im Laufe eines Projekts und kommen somit von ganz allein.
Geschrieben von David Becker.

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